Rosenschnitt im Sommer: Der zweite Schnitt für den Blütenreichtum
Viele Hobbygärtner schneiden ihre Rosen im Frühjahr kräftig zurück und lassen sie danach bis zum Herbst in Ruhe. Das ist ein Fehler, der sich direkt auf die Blütenfülle auswirkt. Der zweite Schnitt im Sommer, meist Ende Juli oder Anfang August, ist der entscheidende Hebel für eine üppige Nachblüte. Wer ihn auslässt, bekommt zwar noch vereinzelte Blüten, aber keine geschlossene zweite Blütewelle. Der Grund liegt in der Physiologie der Pflanze: Nach der ersten Blüte bildet die Rose Hagebutten aus, sofern man die verwelkten Blüten nicht entfernt. Diese Samenproduktion kostet die Pflanze enorme Reserven, die dann für neue Triebe und Knospen fehlen.
Der Sommerschnitt unterscheidet sich grundlegend vom Frühjahrsschnitt. Es geht nicht darum, die Grundstruktur der Pflanze neu aufzubauen, sondern gezielt die abgeblühten Triebe bis zum ersten voll ausgebildeten Blatt unterhalb der Blüte zurückzuschneiden. Dieser Schnitt regt die Bildung neuer Seitentriebe an, die innerhalb von sechs bis acht Wochen erneut Knospen tragen. Wichtig ist der richtige Ansatzpunkt: Ein zu langer Stummel fault leicht, ein zu kurzer Schnitt kostet die Pflanze unnötig Kraft. Wer unsicher ist, wo genau die Schere angesetzt werden muss, findet unter verblühte Rosen richtig ausputzen eine detaillierte Anleitung mit Schnittbildern. Dort wird auch erklärt, warum der Schnitt immer knapp über einem nach außen zeigenden Auge erfolgen sollte.
Nicht jede Rose profitiert gleichermaßen vom Sommerschnitt. Bei öfterblühenden Sorten wie Beet- und Edelrosen ist er zwingend notwendig, um die zweite Blüte auszulösen. Einmalblühende Rosen, etwa viele Wildrosen und einige historische Sorten, bilden ihre Knospen bereits im Vorjahr und blühen nach einem Sommerschnitt nicht erneut. Hier genügt es, verwelkte Blüten zu entfernen, um die Hagebuttenbildung zu verhindern. Kletterrosen und Strauchrosen nehmen den Schnitt ebenfalls dankbar an, solange man darauf achtet, nicht zu tief ins alte Holz zu schneiden. Ein zu radikaler Rückschnitt im Sommer kann bei manchen Sorten den Neuaustrieb verzögern, sodass die Blüten erst im Oktober oder gar nicht mehr erscheinen.
Ein weiterer Aspekt ist die Düngung im Zusammenhang mit dem Sommerschnitt. Unmittelbar nach dem Rückschnitt benötigt die Rose Nährstoffe, um die neuen Triebe auszubilden. Ein kaliumbetonter Dünger unterstützt die Knospenbildung und erhöht die Widerstandskraft gegen Pilzkrankheiten. Stickstoff sollte man jetzt nur noch in geringen Mengen geben, da er sonst weiches Gewebe fördert, das anfällig für Sternrußtau und Mehltau ist. Wer diese Kombination aus Schnitt, Düngung und ausreichender Wasserversorgung beherzigt, wird bereits im September den Unterschied sehen: dichtere Büsche, mehr Knospen und eine zweite Blüte, die der ersten in nichts nachsteht.